Im Oktober 2006 erhängt sich Megan Meier nach demütigenden Beschimpfungen ihres myspace-Lovers in ihrem Kleiderschrank. Aber hinter dem intimen Fremden verbirgt sich eine befreundete Familie aus der Nachbarschaft. Anhand dieses authentischen Falls von Cyber-Mobbing untersuchen DRAMATEN, wie sich unsere Beziehungen im Zeitalter sozialer Netzwerke im Web 2.0 verändern.
Ein Schwerpunkt unserer fast dreijährigen künstlerischen Arbeit sind Stückentwicklungen, die auf gesellschaftlich brisanten Themen fußen:
Im Oktober 2006 erhängte sich die dreizehnjährige Megan Meier aus Dardenne Prairie (USA) in ihrem Kleiderschrank. Der übergewichtige Teenager mit Zahnspange hatte einen Traum: der nannte sich Josh Evans und verdrehte seiner MySpace-Bekanntschaft gehörig den Kopf. Aber Josh war kein Märchenprinz. Hinter seinem Profil verbarg sich die Familie einer ehemaligen Freundin von Megan. Die letzte Nachricht, die Megan von ihrem virtuellen Lover erhielt, lautete: Jeder hasst Dich. Hab einen beschissenen Rest deines Lebens. Die Welt wäre ein besserer Ort ohne Dich.
Dieser Fall von Cyber-Mobbing, von der deutschen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, wird für DRAMATEN zum Ausgangspunkt der Stückentwicklung MYSPACE – DER FALL MEGAN MEIER. Unser Projekt durchlebt mehrere Phasen, in denen wir uns intensiv mit den neuen Medien, virtuellem Leben und Parallelwelten auseinandersetzen. Wir tauchen ab ins World Wide Web und steigen wieder auf, um der blutleeren Cyberwelt reales Bühnengeschehen entgegenzusetzen, das auf Körperlichkeit setzt.
Inspiriert von Kubricks ODYSSEE entsteht ein Prolog, eine Zeit der Unschuld vor dem Sündenfall, bevor die Sprache in die Welt kam und mit ihr der Schmerz.Wir ziehen die Antike heran, um Megan näher zu kommen, wir zeigen Parallelen auf, die uns auf die Unterschiede verweisen. Wie soll man Täter bestrafen, an deren Händen kein Blut klebt?Wir stellen einen Bezug zu FRANKENSTEIN her, der auf der Überlegung fußt, dass auch Joshs Schöpfer für ihr Wesen Verantwortung übernehmen müssen. Virtuelle Handlungen können sehr reale Folgen haben und auch der nette amerikanische Boyfriend wird am Ende töten.
Diese Inszenierung, komplettiert durch einen theaterpädagogischen Workshop, bieten wir auch für Schulklassen an. Gerade Jugendliche nutzen die Möglichkeiten der neuen sozialen Netzwerke, gehen aufgrund mangelnder Aufklärung und Sensibilisierung jedoch oft zu leichtsinnig mit ihnen um. Seit langem führen Experten und Pädagogen den Begriff der Medienkompetenz im Mund, die von Schulen noch nicht gelehrt wird. Wir verstehen unsere Inszenierung als Beitrag und Gesprächsangebot, das von den Lehrern und Schülern des Sportgymnasiums Dresdens bereits dankbar angenommen wurde. Am 5. 2. 2010 haben wir vor über sechzig Schülern in unserer Spielstätte MYSPACE. DER FALL MEGAN MEIER gespielt.
Premiere am 07.11.2008
Team
Besetzung
Galerie
Dieses Produktion wurde finanziert mit Mitteln der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen








