Haus

Wenn ich etwas verstanden habe, ist etwas leer geworden.
ODER: In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod.
(
Alexander Kluge)

Im Frühjahr 2008 gründeten wir die Produktionsgemeinschaft für freies professionelles Theater DRAMATEN. Die Gründung resultierte aus der bewussten Entscheidung, unsere Vision von Theater nur außerhalb des Stadttheaters und seiner feststehenden Strukturen erproben zu können. Aus diesem Schritt erwachsen für jeden einzelnen von uns ein hohes Maß an künstlerischer Freiheit und eine Selbstbestimmung in der Lenkung kreativer Prozesse. Wir wollen die vertrauten Mittel und Inhalte in Frage stellen, um neue Ausdrucksformen zu finden, diese zu erproben und mit ihnen zu experimentieren.

In bisher fünf Produktionen haben wir uns dieser Vision angenähert. NEUNUNDDREISSIGNEUNZIG / 39,90, nach dem gleichnamigen Roman von Frédéric Beigbeder, erlebte am 18. September 2008 seine Premiere am Societaetstheater. Am 7. November 2008 folgte MYSPACE. DER FALL MEGAN MEIER, eine Projektentwicklung nach einem authentischen Fall. Unsere dritte Inszenierung KAFKAS PROZESS, eine Komposition von Karsten Gundermann, hat am 19. Februar 2009 ihre Uraufführung erlebt. Auf dem XII. Internationalen SchaubudenSommer Dresden 2009 waren wir mit unserer Performance INSEKTEN – DIE SHOW vertreten. Die Uraufführung unserer jüngsten Produktion CIRCUS MAXIMUS oder PREMIER BROWN MACHT SICH SORGEN fand am 31. Oktober 2009 in unserer Spielstätte Königsbrücker Straße 70, 1. HH statt.

So verstehen wir zeitgemäßes Theater: Es liegt nicht in unserem Interesse, lineare Geschichten zu erzählen. Der Stoff wird durch die eigene Lebenswirklichkeit gefiltert und die entstandenen Partikel sichtbar gemacht. Daher verzichten wir in unseren Inszenierungen weitestgehend auf einen roten Faden, der die Ereignisse aneinanderreiht und konsumierbar macht. Wir fordern unsere Zuschauer heraus, aber wir nehmen sie auch ernst, denn ihre Rolle verschiebt sich vom außen stehenden Beobachter zum gleichberechtigten Partner und Mitschöpfer einer Aufführung. Wir wollen Platz lassen für eigene Erfahrungswelten, die sich zusammen mit dem zerschnittenen roten Faden zu immer neuen Mustern weben können. In unseren Inszenierungen findet sich keine auf Konsumierbarkeit zielende Eindeutigkeit, stattdessen setzen wir darauf, dass sich das Bedürfnis der Sinne nach Zusammenhang, Interesse und Neugier von selbst in Bewegung setzt. Dass hierbei Rätselhaftes entsteht, ist beabsichtigt. Unser Interesse ist Nachhaltigkeit statt Eindeutigkeit, ein „im Prozess Bleiben“, zu dem wir gerne den Impuls geben möchten. Eine Inszenierung ist für das Publikum keine Denksportaufgabe, die es zu lösen gilt, kein Rätsel, das wir erschaffen haben und das nun vom Zuschauer zu dekodieren wäre. Wir propagieren eine emanzipierte Rezeptionshaltung, die dem einzelnen Zuschauer zutraut, das auszuwählen, was für ihn relevant ist. Nur dies wird ihn und uns DRAMATEN über die Grenzen der Aufführung hinaus beschäftigen.