Zeittafel
1947
14. August: Unabhängigkeit. Die beiden Staaten Pakistan u. Indien gehen aus Britisch-Indien hervor. Der Führer der All India Muslim League, Muhammad Ali Jinnah wird erster Generalgouverneur und Liaqat Ali Khan Premierminister.
7 Millionen urdusprachige Muslime (Mohajir) fliehen aus Indien nach Pakistan. Ebenso viele Hindus und Sikhs müssen Pakistan verlassen.
Massaker an den Flüchtlingen im Punjab mit mindestens 250.000 Toten.
Oktober: Erster indisch-pakistanischer Krieg um Kaschmir.
1948
Kaschmir-Konflikt, Anhörung vor der UNO.
11. September: Tod von Muhammad Ali Jinnah.
1949
1. Januar: Waffenstillstand und Ziehung einer Kontrolllinie in Kaschmir.
1951
Premierminister Liaqat Ali Khan wird ermordet. Instabile Lage in dem noch jungen Staat.
1954
Beitritt zum pro-amerikanischen Bagdad-Pakt.
1955
Erster 5-Jahres-Plan wird verabschiedet.
1956
23. März: Die erste Verfassung der islamischen Republik Pakistan wird verabschiedet. Iskander Mirza wird zum Präsident gewählt.
1958
27. Oktober: Militärputsch durch General Ayub Khan, der das Präsidentenamt übernimmt.
1960
Indus-Wasservertrag mit Indien.
1962
März: Ayub Khan verkündet eine neue Verfassung, die ein autokratisches Präsidialsystem etabliert und auf großen Widerstand stößt. Zudem organisieren in den Provinzen autonomistische Bewegungen.
August: Grenzabkommen mit China.
1963
Januar: Zulfikar Ali Bhutto wird Außenminister.
1965
Januar: Ayub Khan wird bei Präsidentschaftswahlen im Amt bestätigt.
Islamabad wird neue Hauptstadt.
1966
Kaschmir-Konflikt wird beigelegt.
Juni: Bhutto überwirft sich mit dem Präsidenten und tritt zurück.
1967
Dezember: Bhutto gründet die Pakistan Peoples Party (PPP) und organisiert
eine außerparlamentarische Massenbewegung gegen die Militärregierung.
1969
März: Ayub Khan wird zum Rücktritt gezwungen. General Yahya Khan
übernimmt die Macht.
1971
März: Die Awami League (Volksgruppe) proklamiert die Unabhängigkeit
Bangladeschs (Ostpakistans), es folgt ein blutiger Bürgerkrieg.
Dezember: Indien greift zugunsten Bangladeschs in den Konflikt ein, das löst
den dritten indisch-pakistanischen Krieg aus. Khan muss daraufhin zurücktreten, er setzt Bhutto als Präsidenten ein.
1972
April: Das Kriegsrecht wird aufgehoben, es gilt eine provisorische Verfassung.
November: Das Atomkraftwerk bei Karatschi geht ans Netz.
1973
14. August: Die heute geltende Verfassung wird verabschiedet. Pakistan wird Bundesrepublik. Neuer Präsident: Fazal Elahi. Tausende politische Widersacher des neuen Premier-, Außen- und Finanzministers Bhutto
verschwinden auf Jahre im Gefängnis.
1974
April: Indien lässt 93.000 pakistanische Kriegsgefangene frei. Pakistan erkennt
Bangladesh an. Der Tarbela-Damm (Indus) mit dem größten Wasserkraftwerk der Welt wird
eingeweiht.
1977
März: Parlamentswahlen: Die PPP gewinnt mit überwältigender Mehrheit. Der offensichtliche Wahlbetrug löst blutige Unruhen aus.
Juli: General Zia-ul Hc übernimmt die Macht und verhängt Kriegsrecht. Bundes- und Provinzregierungen werden abgesetzt. Politische Aktivitäten und Parteien werden verboten. Bhutto und andere werden verhaftet. Beginn einer autokratischen Militärdiktatur, die systematisch die Islamisierung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft vorantreibt.
1979
April: Bhutto wird hingerichtet.
Dezember: Sowjetische Truppen marschieren in Afghanistan ein.
1980
3 Mio. Menschen fliehen vor dem Krieg in Afghanistan nach Pakistan.
1981
Die USA sagen umfangreiche Hilfen im Wert von 3,2 Mrd. US-Dollar zu, sowie die Lieferung von 40 F-16-Kampfjets.
1985
April: Beginn schwerer und in der Folge immer wieder aufflammender Unruhen und Massaker zwischen fast allen ethnischen Gruppen in Karatschi. Es kommen über 6.500 Menschen ums Leben.
1986
Während des sowjetisch-afghanischen Krieges wird Pakistan zum anti-sowjetischen Frontstaat. Pakistan erhält von den USA Hightech-Waffen und toleriert im Gegenzug amerikanische Waffenlieferungen an die afghanischen Rebellen.
April: Triumphale Rückkehr Benazir Bhuttos aus dem Londoner Exil, in das sie nach der Hinrichtung ihres Vaters gegangen war.
1988
Juni: Ein Präsidenten-Dekret erklärt das islamische Recht der Scharia zum obersten Gesetz.
16. November: Parlamentswahlen: Die PPP von Benazir Bhutto gewinnt mit 93 von 217 Sitzen die Mehrheit. Bhutto wird Premierministerin. Ghulam Ishaq
Khan wird zum Staatsoberhaupt gewählt.
1990
September: Schwere indisch-pakistanische Artilleriegefechte in Kaschmir.
Ein drohender Nuklearkrieg kann durch bilaterales Krisenmanagement auf
höchster Ebene abgewendet werden.
Die sowjetische Armee zieht sich aus Afghanistan zurück.
1991
Der erste Golfkrieg löst in Pakistan eine Protestbewegung gegen den pro-amerikanischen Kurs der Regierung aus.
1993
18. April: Präsident Ishaq Khan entlässt die Regierung wegen Misswirtschaft, Korruption und Vetternwirtschaft, löst die Nationalversammlung auf und
beruft eine Übergangsregierung.
6. Oktober: Neuwahlen der Nationalversammlung: Die PPP gewinnt 86 von
217 Sitzen.
19. Oktober: Bhutto tritt ihre zweite Amtszeit als Premierministerin an. Ihr Parteigenosse Farooq Leghari wird zum Präsidenten gewählt.
1996
7. Januar: Die USA heben das Waffenembargo gegen Pakistan auf.
Mai: Cricketstar Imran Khan gründet seine Partei Tehrik-e-Insaaf.
20. September: Murtaza Bhutto, der ältere Bruder der Premierministerin wird
in Karatschi von einer Polizeieinheit erschossen. Die Geschwister hatten
erbittert um die PPP-Führung gekämpft. Bhutto und ihr Ehemann werden verdächtigt, das Attentat geplant zu haben.
5. November: Bhutto und ihr Kabinett werden vom Präsidenten abgesetzt.
Die Nationalversammlung wird aufgelöst.
1997
17. Februar: Nach Neuwahlen wird Nawaz Sharif wieder Premierminister.
Mai: Pakistan, Turkmenistan und das US-Unternehmen Unocal unterzeichnen
am 14. Mai ein Abkommen über den Bau einer Gaspipeline, die durch
Afghanistan verlaufen soll. Pakistan erkennt die Taliban-Reigerung an.
November: Rücktritt von Präsident Leghari nach einem erbittertem Streit mit dem Obersten Gerichtshof.
1998
1. Januar: Nach Neuwahlen Amtsantritt von Rafiq Tarar als Präsident.
Indien und Pakistan testen beiden nukleare Sprengsätze.
2. Dezember: Gipfeltreffen von Sharif und Clinton in Washington.
1999
3. Januar: Premierminister Sharif entgeht in der Nähe von Lahore unverletzt
einem Attentat.
Der IWF verabschiedet ein Finanzpaket für Pakistan über 5,5 Mrd. US-Dollar.
11. April: Indien testen wieder Mittelstreckenraketen, Pakistan antwortet
seinerseits mit Test.
15. April: Verurteilung von Benazir Bhutto und ihres Ehemanns wegen Korruption zu je 5 Jahren Haft und zu einer Geldstrafe von 8,6 Mio. US-Dollar durch ein Sondergericht in Rawalpindi.
26. Mai: Der Grenzkonflikt zwischen Pakistan und Indien eskaliert. Indien eröffnet eine Luft- und Bodenoffensive bei Kargil. Die Kämpfe lösen in Pakistan eine Flüchtlingswelle aus (ca. 50.000 Menschen).
4. Juli: Auf Druck der US-Regierung Rückzug der pakistanischen Truppen aus indischem Territorium im anhaltenden Grenzkonflikt.
11. Juli: Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Indien und Pakistan.
27. August: Der UNO-Sicherheitsrat verurteilt die pakistanische Unterstützung der Taliban in Afghanistan.
Oktober: General Pervez Musharraf stürzt Ministerpräsidenten Sharif, dieser
hatte zuvor die Entlassung Musharrafs angekündigt. EU erlässt daraufhin
Sanktionen gegen Pakistan.
Verhängung des Ausnahmezustands durch Musharraf. Unruhen.
2000
19. Januar: Anklageerhebung gegen den gestürzten Ministerpräsidenten Sharif
wegen Entführung (Musharraf), versuchten Mordes und Terrorismus.
12. Mai: Der Oberste Gerichtshof erklärt den Putsch von General Musharraf für rechtmäßig und verfügt gleichzeitig, dass die Militärregierung in 3 Jahren,
Wahlen zu den nationalen politischen Gremien abhalten soll.
10. Dezember: Sharif wird aus dem Gefängnis entlassen. Im Gegenzug verspricht er, für die nächsten 21 Jahre nicht poltisch aktiv zu werden. Er geht mit 19 Mitgliedern seiner Familie nach Saudi-Arabien ins Exil. Sein Vermögen wird konfisziert.
2001
6. Januar: Deutschland hebt die Sanktionen gegen Pakistan auf und verspricht
einen Zuwendung von insgesamt 36 Mio. DM für das laufende Jahr.
Es folgen weitere Kredite von der Weltbank und der Asian Development Bank.
20. Juni: Musharraf ernennt sich zum Präsidenten und bleibt weiter Armeechef.
11. September: Pakistan schließt sich dem US-geführten Kampf gegen den Terrorismus an und unterstützt US-Angriffe gegen die Taliban in Afghanistan.
2002
April: In einem Referendum lässt Musharraf sich für weitere 5 Jahre im Amt bestätigen.
November: Die Nationalversammlung wählt Jamali zum ersten Premierminister seit Musharrafs Putsch 1999.
2003
Juni: NWFP, in der die islamistischen Kräfte die Provinzwahlen gewonnen
haben, führt die Scharia ein.
November: Pakistan erklärt Waffenstillstand gegenüber Indien. Indien reagiert
positiv. Musharraf überlebt einen Attentatsversuch, der radikalen Islamisten
zugeschrieben wird.
2004
Mai: Blutige Ausschreitungen zwischen Sunniten und Schiiten in Karatschi.
Juni: Die Pakistanische Armee schreitet wenig erfolgreich gegen Al-Qaida Kämpfer im Grenzgebiet zu Afghanistan ein.
2005
Januar: Stammesaufstände in Balutschistan, Sabotageakte gegen Erdgasanlagen.
8. Oktober: Verheerendes Erdbeben im Norden. Zehntausende sterben, Hunderttausende werden obdachlos, der Winter naht.
2006
Selbstmordattentate im Februar und April kosten über 80 Menschen das Leben.
Dezember: Wieder pakistanische Kurzstreckenraketentests.
2007
Februar: Vermehrt Bombenanschläge im ganzen Land.
10 Juli: Nach Unruhen durch radikale islamistische Kräfte wird deren Hochburg in Islamabad, die Lal Masjid (Rote Moschee), durch Sicherheitskräfte gestürmt. Zahlreiche Tote und Verletzte. Die Moschee wird
geschlossen.
30. August: In Südwaziristan geraten 211 Soldaten in Geiselhaft.
3. Oktober: Die Rote Moschee wird wiedereröffnet.
6. Oktober: Musharraf wird von Parlamentariern für weitere 5 Jahre im Amt
bestätigt.
18. Oktober: Benazir Bhutto kehrt aus achtjährigem Exil nach Pakistan zurück
und entgeht unverletzt einem Selbstmordattentat bei dem 150 Menschen
sterben und 500 verletzt werden.
3. November: Musharraf verhängt den Notstand, suspendiert die Verfassung,
setzt die gesamte Oberste Gerichtsbarkeit außer Funktion und setzt bürgerliche
Grundfreiheiten außer Kraft. Begründung: Zunahme der terroristischen Gewalt
im Land und Einmischung der Judikative in die Politik der Regierung. Es folgt eine Verhaftungswelle, die ca. 1.5000 Menschen betrifft.
4. November: Die Regierung lässt im Austausch gegen die 211 entführten
Soldaten 25 militante Extremisten frei.
9. November: Verhinderung einer geplanten Wahlveranstaltung von Bhutto in Rawalpindi durch die Polizei.
12. November: Musharraf kündigt für Januar 2008 Wahlen an.
25. November: Sharif kehrt nach siebenjährigem Exil nach Pakistan zurück
und nimmt für seine PML-N den Wahlkampf auf.
28. November: Musharraf tritt als Generalstabschef zurück. Sein Nachfolger
wird General Kayan.
18. Dezember: Die US-Regierung sagt für 2008 eine Finanzhilfe von 785 Mio.
US-Dollar für Pakistan zu.
27. Dezember: Benazir Bhutto fällt in Rawalpindi nach einer Wahlveranstaltung einem Selbstmordanschlag zum Opfer. Daraufhin werden die geplanten Parlamentswahlen vom 8. Januar auf den 18. Februar 2008 verschoben.
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Quelle: Jorge Scholz: Der Pakistan-Komplex. Ein Land zwischen Untergang und Nuklearwaffen. München 2008