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Artikel 1 zu 5 ansehen (9 Artikel gesamt)  
  • Liebe Jule, leider kann ich auf deinen Artikel nicht antworten, dort erscheint immer wieder eine Fehlermeldung. Deshalb poste ich hier als Antwort auf deinen ”J.G. ist verstorben” Eintrag.

    Der Nachrichtenwert des real eingetretenen Todes der J.G. sollte sicher zuerst lokal und dann westeuropäisch bewertet werden. In GB war dieses Ereignis ein großer Aufhänger, hier eben nicht. Zudem scheint der echte Tod das öffentliche Mitleiden am Sterben der J.G. zu demaskieren, es ging um (all)tägliche Neuigkeiten, um Emo-Futter im media format, nicht? But Jade does not ”live” here anymore….

  • Der Weg zum Selbstdarsteller

    Castingshow. Naive Begeisterung war gestern – heute ist professionelle abgehalftertheit: ”Fame”, das Remake.

    1980 kam ”Fame – Der Weg zu Ruhm” in die Kinos, ein semi-dokumentarischer Film über Jugendliche an der New Yorker School of Performing Arts. Die Protagonisten spielten sich selbst, Irene Cara wurde mit gleich zwei Songs aus dem Soundtrack zu einem kurz und heftig leuchtenden Popsternchen, der Film bekam viel Lob als ”handwerklich perfekt”, was er irgendwie auch war – auf eine elliptische, leichtfüßige Art. Was er aber vor allem war: eine im Rückblick naiv wirkende, begeisterte Beschwörung einer klassich gefassten Künstlerexistenz.
    Knapp dreissig Jahre später ist eine solche Künstlerexistenz lange nicht mehr so exzeptionell und freakig wie damals; der Künstler ist zum Idealfall des selbstverantwortlichen Menschen geworden, der gelernt hat, seine Subjektivität als höchstes verwertbares Gut in die vorhandenen Kreisläufe der Akkumulation von echtem und symbolischem einzuspeisen.
    Es ist also genauso plausibel wie redundant, 2009 ein Remake von ”Fame” herzustellen. Jeder weiß ja mittlerweile, wie hart man arbeiten muss, will man Sänger, Tänzer, Schauspieler etc. werden. Und jeder weiß auch, wie es aussieht, wenn trainiert und geprobt, gelitten und gelobt, gescheitert und ausgezeichnet wird.
    Hier wirkt der neue ”Fame” wie ein leinwandtauglich aufpoliertes Best-of aller Castingshows der vergangenen Jahre. Aber auch auf allen anderen Ebenen dockt er hochprofessionell an eingeschliffene TV-Sehgewohnheiten an: Nichts, aber auch gar nichts fordert denjenigen heraus, der das ”Fame”-Original, Talentshows und Highscholl-Soaps konsumiert hat.
    Die Kapitelfolge und zentrale Szenen sind eins zu eins von der Vorlage abgekupfert, die Narration ist sinnfälliger, runder geworden (hat also mehr persönliche Dramen, mehr Beziehungsschmu), die Dialoge und Bilder haben in Sachen Abgehalftertheit fats dummdreiste Qualität (etwa Slowmotion von Tänzerfüßen, die im Gegenlicht Staubkörper auf Bühnenbrettern aufwirbeln). Auch der Soundtrack wurde überarbeitet und bruchlos dem amerikanischen Mainstream angepasst. will sagen: alles HipHop und R’n’B, in einer Fusion, die auch die Herrschaftszeit des Timbaland noch schnell auf den griffigsten Punkt bringt.
    Kurz – dieses Remake ist genauso überzuckerte Stangenware wie kulturgeschichtlich irgendwann vielleicht mal interessantes Kondensat der ideologischen Rahmenbedingungen einer Teenager-Sozialisation der Nuller-Jahre: Es verkauft den disziplinierten Akt, allen Anforderungen gerecht zu werden, als erfolgversprechendsten Weg zu individuellem Selbstausdruck.

  • Süddeutsche Zeitung von heute 28.3.

    Deutschland ganz unten
    Hartz IV
    28.03.2009, 9:22
    Von Ralf Wiegand
    Almosen als ”zusätzliche Einkünfte von Leistungsempfängern”: Das Göttinger Sozialamt kürzt einem Bettler den Hartz-IV-Satz.

    Grossbild
    (Foto: Reuters)
    Vom Göttinger Sozialamt am Hiroshimaplatz bis zum Rewe-Markt Ecke Kurze Geismarstraße/Lange Geismarstraße sind es nur ein paar Gehminuten. Vielleicht hätte sich Klaus F. (Name von der Redaktion geändert) einen Platz aussuchen sollen, der weiter entfernt liegt von der Behörde, bei der er als Kunde geführt wird.
    F. ist arbeitslos und Hartz-IV-Empfänger. 351 Euro vom Staat und der Zuschuss zur Miete reichen kaum zum Leben. F. setzt sich in der Fußgängerzone auf den Boden, stellt Blechdose und Pappschild auf und hofft, dass Passanten ein paar Münzen übrig haben. Er bettelt.
    Im Behördendeutsch handelt es sich bei den Almosen allerdings um ”zusätzliche Einkünfte von Leistungsempfängern”. Der Mann hatte Pech: Ein Sachbearbeiter vom Sozialamt passierte in der Mittagspause die Stelle, an der Klaus F. bettelte, erkannte den Mann und schaute dann – nicht nur einmal – ganz genau hin.
    In einem Brief vom Fachbereich Soziales der Stadt Göttingen konnte F. später lesen: ”In den letzten Tagen habe ich Sie mehrfach gesehen, wie Sie vor dem Rewe-Supermarkt (…) gebettelt haben. Zuletzt lagen am 3.1. 2009 in der Mittagszeit circa sechs Euro und heute gegen 13 Uhr etwa 1,40 Euro in einer Blechdose.”
    Der pflichtgetreue Staatsdiener rechnete die Beträge hoch und kündigte an: ”Ich beabsichtige daher, (…) einen Betrag von 120 Euro als Einkommen durch Betteln anzurechnen.” Künftig werde Herr K. nur noch 231 Euro Unterstützung aus Hartz IV monatlich erhalten.
    Noch nie hat das Sozialthermometer in Deutschland eisigere Temperaturen angezeigt. ”Uns ist bundesweit kein ähnlicher Fall bekannt”, sagt Martin Grönig vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, ”so weit unten waren wir noch nie”

    Die Stadt Göttingen beharrt darauf, rechtens gehandelt zu haben. Sie teilte am Freitag schriftlich mit: ”Wenn die Verwaltung Kenntnis von zusätzlichen Einkünften von Leistungsempfängern erhält, muss dieses zusätzliche Einkommen auf die Leistungen angerechnet werden. So schreibt es das Sozialgesetzbuch vor. An diese Bestimmung ist die Göttinger Sozialverwaltung gebunden.”
    Im niedersächsischen Sozialministerium in Hannover sieht man das anders. Das Recht sei wohl so – aber es gebe Handlungsspielraum. ”Wir wollen nicht, dass mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird”, sagt Sprecher Thomas Spieker und erinnert an die Hinweise zur Sozialhilfe, die das Ministerium verschickt habe.
    Darin würden die Ämter zu Augenmaß und menschlicher Vorgehensweise angehalten. Von der Stadt Göttingen habe das Ministerium einen Bericht angefordert, ein rechtsaufsichtliches Eingreifen durch das Ministerium sei denkbar.
    Härtefälle gibt es bei der Hartz-IV-Gesetzgebung immer wieder: Dürfen Kinder ihre Geldgeschenke zur Konfirmation behalten, muss der Lotteriegewinn angegeben werden, was ist mit der kleinen Erbschaft von der Tante aus Übersee?
    Die Göttinger Vorgehensweise, sagt Manfred Grönig vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, verdeutliche aber einen Trend: ”In der Sozialpolitik wird an allen Hebeln gedreht.” Dass ein Sachbearbeiter sich überhaupt legitimiert fühle, in solch einer Sache aktiv zu werden und nicht einfach weitergehe zeige, ”dass die Koordinaten verrutscht sind”.
    Die Stadt Göttingen hat Klaus F. inzwischen zu seinen Einkünften befragt und den ”vorläufigen Bescheid wegen der vorgesehenen Kürzung der Leistungen korrigiert”; zurückgenommen hat sie ihn nicht.

  • Lieber Volker !
    Es ist ja im Antrag schon formuliert, die Fernsehmacher hätten es mit den Cäsaren in puncto Grausamkeit aufnehmen können. Also wenn Jade Goody ein Produkt ihrer selbst ist, worin besteht die seelische Grausamkeit, dass das gezeigt wird. Sie erscheint als ein Produkt ihrer selbst, weil sie gezeigt wird. Sie ist nicht im Besitz der Produktionsmittel.
    Nicht gähnen das ist der olle Marx und das ist eben immer noch das entscheidende Kriterium und nur weil sie als ein Produkt ihrer selbst erscheinen soll, sitzt sie im Big Brother House bzw. wird sie eine Medienfigur.
    Michael Jackson und Madonna sind und insofern ein gutes Beispiel ”wahre” Produkte ihrer selbst, obwohl sie nicht mehr sie selbst sind ( da stehe ich auf dem Glatteis ), gerade weil sie im Wesentlichen und zunehmendem Masse über die Produktionsmittel verfügen oder verfügten. Das alle drei medial als Produkte ihrer selbst erscheinen gehört zur grossen Erzählung des modernen, elektronischen ( neue Begriffbildung wieder Glatteis ) Kapitalismus – er suggiert die ungebrochener Kraft der Möglichkeiten des Einzelnen zum Aufstieg,. den diese Gesellschaftsordnung angeblich bietet.
    Und wenn Premier Brown sich Sorgen macht – haha – das erzeugt ja fast so etwas wie ”Volksgemeinschaft”.
    Vielleicht hält sich mein Mitleid für Miss Piggy zu sehr in Grenzen. Die Verteuerung eines Kilo Reis in Haiti durch internationale Spekulanten im letzten Jahr um 500 % und die nochmalige Verteuerung durch die von diesen Spekulanten verursachten Weltwirtschaftskrise um nochmal 200 oder gar 300 % erregen mich da schon mehr und die Tatsache, das es offensichtlich wenig Mühe macht mal kurz ein paar hundert Milliarden zur Rettung irgendwelcher Banken hinzublättern, aber sehr lange dauert ehe ein paar hundert Millionen für die armen Länder dieser Erde zusammenzubekommen.

    Finde es ja insgesamt spannend und interessant die Dramaten im Netz leben zu lassen und dort Material und Sprachen zu lernen. Möglichst viel verschiedene
    Wolle einmal als schicker Headhunter, oder fescher Jungdesigner bei xing, als romantisches Mädchen mit bösen Elternhaus bei MYSpace, als gewaltbereiter Linker in irgendwelchen Graswurzelforen oder bei den Autonomen, als sadistischer Ledermann bei Gayromeo und und und….. der Phantasie sind da ja wahrlich keine Grenzen gesetzt.

    Kleine Randnote zum Perspektivwechsel : Schon die Erfindung von Reality TV ist eine Erscheinung der Agonie des Realen, also ein Ausdruck der Perspektivwechsels.

    Den Obama -Euer Ehren – lasse ich nicht als Miss Piggy durchgehen. Er ist auch nicht im Netz entstanden . Seine Netzaktivitäten haben ihm vielleicht geholfen. Obama selbst aber hat es geschafft, und das müssen zunehmend alle US – Präsidentenkandidaten den Prozess der Kreation seiner selbst mit der Gewinnung der dafür nötigen Produktionsmittel zu verknüpfen. Das er sich vielleicht geschickter als Hillary des Webs bedient hat, hat vielleicht in diesem Prozess eine Rolle gespielt, vielleicht sogar die entscheidende. Aber ohne die in den Hinterzimmern der Macht, ohne die Hilfe der Meinungsführer in Medien und Industrie wäre dieser Prozess überhaupt nicht in Gang gekommen, wäre er nicht einmal Kandidat – das Gegenteil wäre ja wunderbar – dann stünde ja vielleicht doch bald die Revolution ins Haus.

  • Lieber Lutz, das Virtuelle ist, so wie es sich uns im Web darstellt, eine Spielform des Fiktiven, insofern stimmt die gewählte Formulierung. Ebenso verhält es sich mit der These, dass das ”Real Life Einzug hält ins Reality TV” – denn hier wird von uns der Perspektivwechsel beschrieben, der keineswegs DADA ist – denn ursprünglich hielt das Reality TV Einzug ins Real Life – wir formulierten also die Umkehr einer philosophischen Betrachtung, Philosophie ist Richtung. Im Übrigen sind wir nicht der Meinung, dass mit unserer Behauptung, das sich das Leben seit Web 2.0, egal ob wahr oder unwahr, ins Virtuelle, also Fiktive verflüchtigt, gemeint ist, das eine Transformation des Materiellen ins Immatrielle stattfindet, wie auf der Enterprise – wir wollen doch keine physikalischen Phänomene untersuchen, gelle!? Widersprechen würde ich auch der Behauptung, Jade Goody sei kein Produkt ihrer selbst – was ist dann mit Madonna oder Michael Jackson? – alles Opfer fieser Produzenten – das greift dann doch zu kurz oder!? Und noch ein Einspruch Euer Ehren – Barack Obama ist eine Miss Piggy, die im Netz entstanden ist und nun ein Star! Er hat sich hoch getwittert –