UNTERM GRAS |Kriminalhörspiel in 6 Tagen

04. August 2012 von Volker Metzler

Unterm Gras| Kriminalhörspiel in 6 Tagen

Unterm Gras| Kriminalhörspiel in 6 Tagen

UNTERM GRAS | Ein Kriminalhörspiel in sechs Tagen

von Franziska Fuhlrott

Monika Seidel hat die letzten Jahre damit verbracht, ihre an Alzheimer erkrankte Mutter Gertrud zu pflegen. Von ihren jüngeren Schwestern Susanne und Christine konnte sie dabei keine Unterstützung erwarten. Zur Beerdigung der Mutter treffen die drei Frauen im Haus ihrer Eltern aufeinander. Susanne und Christine sind ihrer Schwester für deren aufopferungsvolle Pflege keineswegs dankbar. Vielmehr wird der Vorwurf laut, Monika habe die Mutter vernachlässigt, denn Gertrud Seidel musste kurz vor ihrem Tod mit einem Darmverschluss ins Krankenhaus eingeliefert werden. Auch die Pflegerin Annerose Schumann gerät unter Verdacht. Eine professionelle Pflegekraft hätte schneller reagieren und notwendige medizinische Maßnahmen in die Wege leiten müssen.Die Vorwürfe gegen Monika sind nicht das Einzige, das den Haussegen in die Schieflage bringt: Das Haus selbst wird zum Streitpunkt. Was soll nach dem Tod der Mutter damit geschehen? Monika hat schon eine Maklerin eingeschaltet und will es so schnell wie möglich verkaufen. Susanne rechnet ebenfalls mit dem Geld, denn die Firma ihres Mannes ist pleite. Nur Christine, die Jüngste, widersetzt sich den Plänen der Schwestern. Sie möchte in das Elternhaus einziehen. Unversöhnlich und im Streit gehen die Frauen auseinander.Am nächsten Morgen klingeln die Kriminalkommissare Kerstin Haase und Paul Klingebiel an der Tür: Monika Seidel ist tot. Sie wurde auf dem Friedhof mit gebrochenem Genick gefunden. Die Kommissare beginnen mit ihren Ermittlungen, aber statt Fragen zu lösen, werfen ihre Nachforschungen neue auf. Im Fall Monika Seidel scheint es mehr Schuldige zu geben, als bisher angenommen…

Sprecherinnen

Kathleen Gaube Katrin Decker Franziska Fuhlrott

Sounddesign

Philip Gaube

Premiere am 11.Mai 2012 in der Weinbergskirche, Dresden Trachenberge

Buchung und Kontakt

post@dramaten.de

Mit freundlicher Unterstützung von: Ev.-Luth. Laurentiuskirchgemeinde Dresden-Trachau und DNN

ZU GAST IM SOCIETAETSTHEATER: DIE SINGENDEN HANDTASCHEN | SOMMEREDITION

20. Juni 2012 von Volker Metzler

NEUE LIEDER! JETZT AUCH INTERNATIONALE FRAUENASPEKTE!

Nächste Vorstellungen: 20. / 21. / 22./ 23./ 24./ 25./ 26./ 28. und 29.06.2012, um 20 Uhr


DIE SCHWARZEN WITWEN DER VOLKSMUSIK

PRESSESTIMME DRESDNER KULTURMAGAZIN April 2011

Drei Frauen plaudern aus dem Nähkasten
die singenden Handtaschen bei den DRAMATEN

Ein grandioses Unterhaltungsprogramm ließ die Gäste im zweiten Obergeschoss des ersten Hinterhauses auf der Königsbrücker Str. 70 beinahe von den Stühlen fallen. Frau Dröse, Frau Nimmich und Frau Hoppel-Mötze sangen, spielten und stritten mit rasender Energie und außerordentlichem Charme.
Das Thema des Abends war in erster Linie der Mann. Ist er schließlich die “Hauptproblemzone” einer jeden Frau. Die drei Künstlerinnen hielten zur Premiere am internationalen Frauentag aber nicht nur die Frauenpolitik mit und ohne Mann für diskussionswürdig. Auf einer Reise durch die Genres der Musik gab es ein Mehrgängemenü in stimmigen Variationen von geistreichem Humor, tiefschwarz und scharfsinnig. In schwarz, rot und fliederfarbenen Lack- und Lederkostümen boten die Handtaschen bzw. die Handtaschenträgerinnen verlockende Einblicke und aufgeklärte Ausblicke.
Wahrlich, sie können singen, kochen, feiern und sehen gut aus. Sie turnen auf die Leiter und auf Barhocker, spielen Kontrabass und geben den Ton mit der Triola an. Die Handtaschen sind voller Inhalt in jeder Hinsicht und über all dem schwebender Discoball und drei Wimpel mit goldenen Fransen. Die Fahnen der freien Frau wehen im Bühnenwind, das Symbol der Weiblichkeit in schwarz, rot und fliederfarben ziert den weißen unschuldigen Grund.
“Lieber Jury”, es war ein rundum wunderbarer Abend. Wir danken den Schaffenden, Kathleen Gaube (Alt), Anne Schaab (Sopran), Ramona Kunze-Libnow (Sopran), Volker Metzler (Regie, Bühne und Kostüme) und Griffin (Choreografie) für das gelungene Resultat einer ambitionierten Zusammenarbeit.
All jene die gute niveauvolle Unterhaltung vermisst haben, und dazu einmal wieder richtig lachen möchten, sollten diese Gelegenheit nicht verpassen. (Sandra Thomas)


DIE SCHWARZEN WITWEN DER VOLKSMUSIK bekannt auch als DIE SINGENDEN HANDTASCHEN – das sind Frau Dröse, Frau Nimmich und Frau Hoppel -Mötze. Gemeinsam sind sie der Club ohne Männer. Sie sind verbunden durch Freundschaft, die Liebe zur Kunst und frauenpolitische Grundsätze verschiedener Art. Die drei haben eine Frauenkulturgruppe gegründet, um ihre Freizeit sinnvoll und fröhlich zu gestalten. Nun erobern sie die Bühne, um zu zeigen, was alles in einer Frau stecken kann. Dass dafür nicht immer ein Mann nötig ist, versteht sich von selbst. Mit weiblicher Intelligenz und viel Charme weisen sie auf die Probleme von Frauen in unserer Gesellschaft hin und zeigen, wie fröhlich es ist, eine freie Frau zu sein. Zeigefreudig und geschmackvoll gekleidet beherrschen sie die Klaviatur der Unterhaltung – vom Olymp in den Keller und zurück. Ganz nebenbei findet Frau in ihrem Programm Vorschläge zum Lösen, Bereinigen und Beseitigen des Problems Mann. Damit es bald nur noch freie, fröhliche Frauen gibt. Mann o Mann! DIE SINGENDEN HANDTASCHEN – ein Comedyprogramm für Frauen und alle, die es werden wollen.

WITWE HOPPEL-MÖTZE: Ramona Kunze-Libnow (Sopran)

WITWE DRÖSE: Anne Schaab (Sopran)

WITWE NIMMICH: Kathleen Gaube (Alt)

Aufführungsdauer: 1h 10 min

HOMEPAGE: www.die-singenden-handtaschen.de



1. LANGE NACHT DER DRESDNER THEATER

26. März 2012 von Volker Metzler

Zur 1. Langen Nacht der Dresdner Theater am 12.05.2012, stellen wir das Stück OVERKILL | UA von Franziska Fuhlrott vor.

Beginn ist um 19.00/ 20.00/ 21.00 und 22.00 Uhr

Zum Stück: An der Grenze zwischen  Denken und Handeln präsentiert sich der jüngste Text der Dramaturgin Franziska Fuhlrott. Wie viel oder auch wie wenig genügt, um aus einem flüchtigen Gedanken eine Tat von katastrophalen Ausmaß werden zu lassen? Mit viel Sinn für Dimension und Humor beschreibt Franziska Fuhlrott die Welt am Abgrund.

1. LANGE NACHT DER THEATER

DRAMATEN ZU GAST IM SOCIETAETSTHEATER AM 15.03.2012

05. Februar 2012 von Volker Metzler

NUR NACHTS von Sibylle Berg

NUR NACHTS von Sibylle Berg

Ein Neuanfang mit Mitte vierzig, geht das? Petra und Peter, beide bald jenseits werberelevanter Zielgruppen, begegnen sich auf einer Stehparty. Das Elend ihrer Durchschnittlichkeit, das Gefühl, trotz guten Auskommens gescheitert zu sein, zieht sie fast magisch an. Sie beschließen, zu heiraten, gemeinsam fortzuziehen in eine fremde Stadt. Schluss mit verquasten Träumen von Romantik, von der großen, bedingungslosen Liebe. Womöglich lebt es sich glücklicher mit einem Menschen, der vielleicht kein Märchenprinz oder -prinzessin ist, bei dem man sich aber wohl und zu Hause fühlt. So leicht lassen sich lang gehegte Vorstellungen allerdings nicht abschütteln: Zwei Geister suchen Petra und Peter heim, in der Absicht, ihren Heiratsplan zu sabotieren. Sie rufen einstige Versprechungen auf und verstricken sie in Horrorszenen ihres bevorstehenden Paaralltags. Angst zu versagen, Angst vor Krankheit oder Altersarmut – die Klaviatur ist unbegrenzt. Wie verführerisch sind dagegen jene Bilder, die einem täglich eingeimpft werden, von Karriere, schönen Häusern und makellosen, ewig jungen Körpern. Lohnen die hohen Ansprüche ans Selbst nicht das Weiterwarten? Oder gibt man sich da nur Illusionen hin? Und wie viel Mut verlangt es Petra und Peter ab, sich dem gesellschaftlichen Druck zu widersetzen?

Geisterpaar: Ramona Kunze-Libnow, Michael Heuser

Petra: Kathleen Gaube

Peter: Wolfgang Boos

Inszenierung: Volker Metzler

Dramaturgie: Franziska Fuhlrott

Neuer Traum vom Glück ohne Ende

Die Dramaten spielen Sibylle Bergs „Nur nachts“ im Societaetstheater

Die Sehhilfe auf dem Programmzettel wirkt wie eine Art Stereobrille, die den Raum vom Diesseits zum Jenseits öffnet, wo die grimmigen Geister hausen. Sonst stünden ganz einfach nur zwei Paare auf der kleinen Bühne im Societaetstheater und spielten die Geschichte von Sibylle Berg. „Nur nachts“ heißt sie und will sich hier nicht recht zu einem

Stück verdichten, bleibt eine Folge von Episoden, die statt nach einer zwingenden Dramaturgie wie die Punkte eines Prüfungsprogramms aufeinander folgen und dabei ständig changieren zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit, zwischen Erinnerung und Traum, ja sogar zwischen Leben und Tod. Am Ende haben die einen auf fast zu simpel anmutende Weise bestanden, die anderen bleiben grollend, mit Revanche drohend zurück. Ganz in Schwarz kommen sie daher, gehen sie dahin, Ramona Kunze-Libnow,

statt düsterer Engel eine gewiefte, sogar brillant singende Animierdame und aufmerksame Beobachterin, Michael Heuser, kein Mephisto, eher ein kraftprotzender Altrocker mit meist kläglich scheiterndem Macho-Gehabe. Der Zwang zur Beobachtung, das Übermaß an Erfahrung hat sie zynisch gemacht, so dass sie niemandem gönnen, was ihnen versagt ist, ein noch so kleines Glück. Schon gar nicht dem zappeligen, an Ideenarmut und Opportunismus gescheiterten Werbegestalter Peter (Wolfgang Boos) und der von allen als farblos empfundenen, von subalternen Tätigkeiten und Alkohol längst abgestumpften Petra (Kathleen Gaube), die doch zu nichts anderem bestimmt waren, als ihr armes kleines Leben einsam bis ans Ende ihrer Tage hinzubringen. Doch dann begegnen sich die beiden eines Abends in einer Disco und fangen an, den irren Traum von einem völlig neuen, gemeinsamen Leben zu träumen, von einem Glück ohne Ende.

Obwohl das normalerweise ganz von selbst mit einem Fiasko enden sollte, machen sich die von ganz oben bzw. von der Autorin beschworenen Geister daran, das Projekt nach besten Kräften zu hintertreiben. Sechs Nächte lang konfrontieren sie die Delinquenten mit

gehabten oder künftigen Frustsituationen, von der Last des Kindererziehens über das Mobbing im Beruf, die wahren Freuden eines Seeurlaubs (der die Ost-Sozialisierung der Figuren enthüllt) bis zum Scheitern an sozialer Verantwortung oder in früheren Beziehungen. Das bietet nebenbei vielerlei Gelegenheit, satirisch zugespitzt den Geisteszustand der heutigen intellektuellen Bürgerwelt zu beschreiben, doch hat sich Volker Metzler, der mit seinen Dramaten und dieser Inszenierung im Societaetstheater gastiert, offenbar selbst so schwer in die Protagonisten Peter und Petra verliebt, dass er allerlei Anachronismen und – zumal mit einem erlesenen Soundtrack – poetische Kontrapunkte gegen manche Flippigkeit des Textes setzt. Er nimmt Nüchternheit und Desillusionierung ernst und verwahrt sich auch gegen eine ironische Distanz, die den Zuschauer glauben ließe, ihn betreffe das alles gar nicht. ( Ein Eindruck, der sich in Bezug auf das konstruierte Umfeld allerdings nicht leicht vermeiden lässt.) Jedenfalls befördert es die glaubhafte Präsenz der Darsteller, und zumal in den eher kabarettistisch konstruierten Versagens-Situationen zeigen sich dadurch auf der einen Seite zaghaft aufblühende Charaktere, auf der anderen so etwas wie Weisheit und Gefühle wider Willen. Freilich stehen Petra und Peter für eine geradezu simple Art von Durchschnitt, der dramatische Zuspitzungen im Lebenslauf zunehmend unwahrscheinlicher macht: ohne echte Leichen im Keller, ohne große Konflikte und Katastrophen in der Biographie – es ist schlicht die Einsicht in die Mittelmäßigkeit und Ereignislosigkeit ihres Daseins, die zur beidseitigen Midlife Crisis führte. Und die sie nun gemeinsam überwinden, gerade indem sie sich der fortgesetzten Angriffe der bösen Geister erwehren.

Sie tun das, indem sie sich Schritt für Schritt zu ihren Schwächen bekennen, mit einer fatalen oder lapidaren Ehrlichkeit, die mehr und mehr sympathisch wirkt, alles  nach dem Motto: Was uns nicht umbringt, macht uns stark, und so wäre das kleine Wunder am Ende eigentlich keins, käme hier nicht so viel geradezu neugeboren anmutende Naivität ins Spiel, soviel Bereitschaft und Offenheit aus dem Boden fortwährender Enttäuschungen.

Die gewöhnliche Lebenspraxis stellt der Anpassungsfähigkeit von Mittvierzigern dagegen ein ganz anderes Zeugnis aus, und auch der Neugewinn an philosphischer Erkenntnis zur Absurdität des Daseins ist eher zu vernachlässigen. Sei es drum, es bleibt eine sympathische Huldigung an die Liebe im etwas reiferen Alter, die sich eben manchmal sogar gegen alle Erwartungen und Vorurteile behauptet.

Tomas Petzold DNN 10./11.September 2011

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STELLA – EIN SCHAUSPIEL FÜR LIEBENDE

15. Juli 2011 von Volker Metzler

Fernando sitzt in der Falle

Vor Jahren hat er seine Ehefrau Cäcilie verlassen, um mit der jungen und temperamentvollen Stella zu fliehen. Mit ihr hat er an einem abgeschieden Ort in wilder Ehe gelebt. Nach ein paar Jahren treiben ihn das schlechte Gewissen und die Sehnsucht aus dem jugendlichen Liebesnest, um nach der abgelegten Ehefrau zu suchen. Aber Cäcilie bleibt unauffindbar.
Schließlich  nimmt der Zufall das Zepter in die Hand und lässt die drei Liebenden aufeinander treffen. Das Liebeskarussell dreht sich von neuem. Während die Ehefrau durch Geborgenheit und Beständigkeit reizt, weiß die andere durch Jugend und Schwärmerei zu locken. Nicht einfach für einen Mann, sich da zu entscheiden…

Stella: Isabel Meier-Koll

Cäcilie: Katja Lawrenz

Lucie: Ulrike Sperberg

Postmeisterin: Verena Schacht

Fernando: Wolfgang Boos

Inszenierung: Volker Metzler

Ausstattung: Harald Hacke Sassen

Dramaturgie: Franziska Fuhlrott

Regieassistenz: Kathleen Gaube

Ein Zustand, der allen Mut der Seele raubt

Im Garten des Societaetstheaters wird Goethes „Stella“ gezeigt

Als die junge Lucie von ihrer Mutter erfährt, dass der Mann, der sie eben noch umgarnt hat, der sich auf den Boden warf, um einen Blick unter den Rock werfen zu können, ihr Vater Fernando ist, entfährt ihr ein entsetztes wie verzweifeltes „Oh mein Gott!“ – dann kotzt sie in ihre Handtasche. Jedenfalls in Volker Metzlers Inszenierung von Goethes Frühwerk „Stella“ mit der damals ziemlich ungewöhnlichen Gattungsbezeichnung „Ein Schauspiel für Liebende“, das jetzt auf der Gartenbühne des Societeatstheaters Premiere hatte.

Nein, „Vati“ (als Lucie Fernando das erste Mal durchaus ironisch so nennt, wird dies vom Publikum mit reichlich Gelächter quittiert) ist nicht tot. Die von Lucie mit Routine abgespulte Geschichte, ihr Vater sei Kaufmann gewesen und auf der Überfahrt nach Amerika ums Leben gekommen, muss umgeschrieben werden. Ulrike Sperberg als Lucie ist jedenfalls aus dem Rennen. Im Spiel um die Gunst Fernandos bleiben buhlend ihre gereifte wie tatkräftige Mutter Cäcilie (Katja Lawrenz), die Fernando vor Jahren verließ, und die aktuelle Flamme, die junge temperamentvolle Stella (Isabel Meier-Koll). Beide Frauen empfinden für den Rock tragenden, mehr getriebenen als selbst agierenden Fernando eine absolute, ekstatische Liebe, die dieser nach kurzer Zeit allerdings als Fessel empfindet. „Jede fordert ihn ganz“, wie Fernando nur zu klar ist, und auch Lucie hat gewisse Ansprüche an den Papa. Fluchtgedanken kommen auf (wenn auch nicht ohne einen Anflug von Reue): „Ich muss fort – ich wär ein Tor, mich fesseln zu lassen. Dieser Zustand erstickt alle meine Kräfte, dieser Zustand raubt mir allen Mut der Seele; er engt mich ein!“

Die Lösung, die in der Luft liegt, heißt Bigamie, kein Wunder, dass der Berichterstatter des „Altonaer Reichspostreuters“ nach der Uraufführung im Februar 1776 in Hamburg ironisch anmerkte: „Sein Roman ‚Die Leiden des jungen Werthers’ ist eine Schule des Selbstmords, seine „Stella“ ist eine Schule der Entführungen und Vielweiberey. Treffliche Tugendschule!“ Die poetische Lösung Goethes ist letztlich in einer utopisch-ironischen Kunstwelt angesiedelt, die den Sinn des Zuschauers für Möglichkeiten ansprechen soll, weshalb schon der Autor zur Einschätzung kam: „Es ist einfach kein Stück für jedermann.“

Das lässt sich nun von dieser Produktion Metzlers und der Dramaten allerdings zum Glück denn doch nicht behaupten. Es mag jetzt nicht so dem Affen Zucker gegeben werden wie in manchen anderen Sommer-Freiluft-Spektakeln dieser Tage, kurzweilig ist diese Produktion gleichwohl. Das liegt zum einen am alles in allem überzeugenden Spiel der Akteure, wobei die Frauen, nicht nur weil sie im Kleinen Schwarzen stecken, die einen Tick bessere Figur machen. Zum anderen wäre da die schöne, kunstvolle, Aufmerksamkeit erfordernde Sprache der Vorlage, die weitgehend so belassen wurde, was den Reiz der konzentrierten Dialogstruktur erhält. Wurde die Vorlage hier und da aber doch etwas ergänzt oder aufgepeppt, etwa wenn Lucie von der Postmeisterin (dargestellt von der anfangs viel zu leise sprechenden Verena Schacht) „Cola, Fanta, Sprite“ verlangt, dann maßvoll.

Unverkennbar und nicht zu überhören: die Schlüsselbegriffe, die der von Goethe beabsichtigten Gefühlsaufklärung zuarbeiten: „Herz“, „Seele“, „Wille“, „Gefühl“, „Schuld“, „Schicksal“…Und natürlich „Verwirrung“ und „Qual“, beides im Zeichen der Liebesproblematik. „Ich habe so Probleme mit Frauen“, röchelt Fernando an einer Stelle, die Augen verdrehend – auch so eine gute Pointe, die zu Recht Lachen auslöst, und das jetzt nicht bei all jenen Männern, die Fernandos Probleme gern hätten.

Christian Ruf, DNN 18.07.2011

LETZTMALIG IN DIESER SPIELZEIT: WOYZECK AM 27.06. und 28.06.2011!

26. Juni 2011 von Franziska Fuhlrott

“Jeder Mensch ist ein Abgrund; es schwindelt einen, wenn man hinabsieht.”


In der Anstalt


Volker Metzler hat auf der Dramaten-Bühne Büchners „Woyzeck“ reduziert

Es ist das sicher berühmteste Fragment deutscher Literaturgeschichte. Etwa 25 Seiten umfasst der Text von „Woyzeck“ aus der Feder Georg Büchners. Kann diese Geschichte um einen Soldaten, der zum Mörder seiner Marie wird, noch knapper dargestellt werden? Sie kann, sagten sich offenbar Regisseur Volker Metzler und Dramaturgin Franziska Fuhlrott. Auf der Bühne dominiert das Paar (Wolfgang Boos und Katharina Behrens), flankiert nur vom undurchsichtigen Doktor (Kathleen Gaube). Das Trio gibt ein Kammerspiel mit redundanter Note, wobei der Text stellenweise eine fast metaphysische Komponente bekommt, ohne in seinen Wiederholungsstreifen eintönig zu werden.

Die Kühle scheint anfangs herüberzuwehen von der Bühne. Dafür sorgen das Licht, das nicht wärmt, die breite Spielfläche und die eigentümliche Atmosphäre: Krankenpritschen, bespannt mit Grün und Violett, geben dem Geschehen den Charakter einer abstrusen geschlossenen Anstalt. Was wiederum auf Woyzeck zweifelos auch im übertragenen Sinn zutrifft: Er lebt in seiner kleinen, abgekapselten Welt, bis die Eifersucht seinen kleinen Geist auffrisst, bis ihm Stimmen zuraunen, er soll Marie töten.

Metzler macht aus dem Fragment wiederum ein Fragment, lässt fast alles an Personage weg, was nicht gebraucht wird. Der Dialog zwischen Woyzeck und Marie, der mit ihrem Tod endet, wird schon kurz nach Beginn eingestreut, eher beiläufig. Ganz am Ende sprechen ihn beide noch einmal, fast ohne Betonung. Umso beklemmender wirkt er, weil in der knappen Stunde zuvor auf der Bühne eins klargeworden ist: Woyzeck kann in dieser Welt nicht bestehen, seinem wahnhaften Fieber und den daraus erwachsenden Aktionen kann er nicht entfliehen. Ein armer Hund. Marie dagegen könnte ein Leben leben, vielleicht. Doch Woyzeck lässt sie nicht, nachdem ihm aufgegangen ist, dass sie sich dem Tambourmajor hingegeben hat.

Requisiten braucht es kaum auf der Bühne des „kleinsten unsubventionierten Theaters der Stadt“ (Metzler). An Woyzecks Gürtel baumelt der Stahlhelm, das reicht als Zuschreibung. Dafür spielt vor allem Wolfgang Boos diese wandelnde Zeitbombe Woyzeck ruhig und dadurch umso bedrohlicher. Augenrollen ist nicht gefordert, um diesem Geist, der schon auf die Seite des Wahns hinübergewechselt ist, eine düstere Aura zu verleihen.

Selbst die Live-Untermalung des Ganzen mit Franzi Patzig an der Gitarre krankt nicht. So bekommt Marie am stilisierten Mikrofon ihre Momente des Aufbegehrens, bevor Woyzecks Messer ihr Leben kalt beenden wird. Die dritte Bühnenfigur, der Doktor, erscheint dagegen fast überflüssig. Es bedürfte seiner Einflüsterungen kaum noch, um Woyzeck dem Aufbegehrensbgrund entgegentorkeln zu sehen. Die unheilige Zweifaltigkeit von ihm und Marie reicht allemal, um zu zeigen, dass hier keine Hoffnung entschwinden muss. Es hat sie schlicht nicht gegeben.

Großer Text auf kleiner Bühne also, so präsentierte sich der Dramaten-Start in die Vollen. Metzler kündigte einen recht geschlossenen Spielplan mit zehn bis zwölf Inszenierungen übers jahr an. Eine Off-Bühne am Rand der Neustadt mit rund 50 Zuschauerplätzen sollte jedenfalls ihren Platz finden. Hofft man.

Torsten Klaus, DNN, 17.1.2011

Besetzung: Katharina Behrens (Marie), Kathleen Gaube (Doktor), Wolfgang Boos (Woyzeck)

LIVE MUSIK: Fran Patzig

Regie: Volker Metzler

Dramaturgie: Franziska Fuhlrott

Regieassistenz: Katalin Naszaly

Kartenbestellung unter: 0351 2 05 33 13 oder post@dramaten.de

HEUTE am 24.06.2011 OFF-TAKT

24. Juni 2011 von Franziska Fuhlrott

video-installation // miriam rieger

das improtheater der bühne // freie spielkultur

performance // mulligan softkill

electronica // max beta (follow the white rabbit)

leise (follow the white rabbit/ leib und seele)

bemme + off-strich

Beginn: 20:30 Uhr

DRAMATEN, Königsbrücker Str. 70, 1.HH, 2. OG

Am 15.06 um 20.30 Uhr: Mitten im Seelendschungel

15. Juni 2011 von Franziska Fuhlrott

LIEBE DEIN LEBEN – LEBE DIE LIEBE!

Du trittst aus dem Haus und schon beginnt das Abenteuer Leben. Das undurchdringliche Abenteuer. Immer neu, spannend, humorvoll, gefährlich schön und schmerzensreich. Bunt wie das Leben selbst sind die Chansons und Gedichte von Annette Richter in musikalischer Begleitung von Derek Henderson am Piano. Gemeinsam durchstreifen sie in einer lyrisch musikalischen sprachvollen Reise verschiedene Seelenwelten aus der Sicht einer Frau. Sinnlich, ironisch, liebevoll, verzweifelt. Kurzweilige 90 Minuten verzaubern mit nachdenklichen, tiefsinnigen und heiteren Geschichten. Nicht nur für Frauen! Ob die Story vom Regenschirm als Lebensbegleiter oder die Liebe zweier linker Gummistiefel,

“Annette Richter erweist sich als genaue Beobachterin zwischenmenschlicher Beziehungen und besitzt die Gabe, Empfindungen, Gefühle, Wut und Schmerz in treffende und anrührende Verse zu formulieren….ein Geheimtip.” (Wolmirstedter Kurier)

HEIMWEH: ANNE SCHAAB SINGT FREDERIC CHOPIN | nächste Vorstellungen am 10.06./ 11.06.2011 um 20.30 Uhr

31. Mai 2011 von Franziska Fuhlrott

Hoffen und harren, nie ein Erreichen! Wo ist das Glück, das ich begehre?

(”Melancholie” / aus den Polnischen Liedern von F. Chopin)

A. Schaab (Sopran)

Im Jahr 2009 wird die Iranerin Neda Soltan während der grünen Revolution am Rande einer Demonstration getötet. Irgendjemand filmt ihre letzten Atemzüge. Hilflos schaut sie in die Kamera, aus ihrem Mund fließt Blut. Kurze Zeit später ist sie tot. Dieses Video lädt irgendjemand auf youtube hoch. Während Neda Soltan in Endlosschleife auf youtube stirbt, schreibt die Iranerin Neda Soltani gerade an einer großen Arbeit. Sie arbeitet als Englischdozentin an der Universität. Irgendjemand kopiert ein Portraitfoto von ihrem Facebook-Profil und verschickt ihr Bild als das der toten Neda Soltan. Dieser irgendjemand hat das i am Ende ihres Nachnamens übersehen. Das Foto wird im Internet und von den wichtigsten Fersehsendern verbreitet. Am nächsten Morgen glaubt die ganze Welt, Neda Soltani sei die erschossene Frau. Die Demonstranten tragen ihr Bild und nennen sie “Engel des Iran”. Neda Soltani schreibt an Fernsehsender und versucht, die Verwechslung aufzuklären. Aber niemand interessiert sich dafür, dass sie noch lebt. Für die Welt ist sie gestorben. Unter dem Druck des Regimes muss Neda Soltani ihr Land verlassen und lebt von nun an als Asylbewerberin in Deutschland.

Dieser unglaubliche Fall einer Verwechslung ist Ausgangspunkt des DRAMATEN-Projektes HEIMWEH. Ausgehend vom Heimweh der Neda thematisiert HEIMWEH die ewige Sehnsucht nach dem Anderen, Unerreichbaren, nach Heimat und Integration in einer fremden Welt. Der Darsteller Wolfgang Boos agiert in einem Transitraum, aus dem es für ihn kein Entkommen gibt. Die eine Welt entlässt ihn nicht, die andere nimmt ihn nicht auf – er schwebt zwischen den Welten. Volker Metzler entwirft diesem Raum entsprechend Schlaglichter und episodenhafte Bilder, die von den Polnischen Liedern von Frédéric Chopin musikalisch umrahmt werden.

Regie: Volker Metzler

Dramaturgie / Texte: Franziska Fuhlrott

Mit Kathleen Gaube und Wolfgang Boos (Spiel), Anne Schaab (Gesang) und Peter Fanger (Klavier)

Vorstellungen: am 10.06 / 11.06.2011 jeweils um 20.30 Uhr

HEIMWEH wurde gefördert durch das Amt für Kultur und Denkmalschutz der Stadt Dresden.


RUM UND WODKA von Conor McPherson am 27.05.2011!

22. Mai 2011 von Franziska Fuhlrott

RUM UND WODKA von Conor McPherson

Der heute vierzigjährige Ire Conor McPherson schrieb den wüsten Monolog über Suff und Sex und Absturz 1992. Es war sein erstes Stück. Der namenlose Held ist nur wenig älter als er damals war, doch glaubt er, sein Leben sei schon gelaufen. Er selbst hat es versaut und er weiß es. Aber ein großer Hunger nach Leben, Liebe und Familie lassen ihn immer wieder aufstehen. Eine sehr irische Mischung aus lachendem Elend und heulender Komik bestimmen diesen irrwitzigen Wortrausch einer exzessiven Odyssee durch Dublins Pubs. Bernd Guhr und Jörg Metzner interessierte in ihrer Inszenierung nicht das Psychogramm eines Trinkers. Ihr Held schlägt sich mit einer Whiskey-Träne im Auge durchs Leben, ohne erwachsen werden zu wollen. Trotz aller widriger Umstände ist er voller irischer Lebenslust und stürzt sich ins Sein – zwischen Märchentraum und schräger Wirklichkeit.

Spiel: Jörg Metzner

Regie: Bernd Guhr

nächste Vorstellungen 29.04.um 20.30 Uhr

Pressestimmen

Dresdner Neueste Nachrichten 24.02.2011

Rezension C.-E. Oechel